Chronik

Die Chronik der Klein Berkeler Warte

Die Stadt Hameln war bis 1808 einer der am stärksten befestigten Städte, von Mauern und Türmen umgeben. Hameln wurde auch „Gibraltar des Nordens“ genannt.

Bereits ab 1350 wollte man auch die Äcker und Weiden geschützt wissen und legte an der Gemarkungsgrenze einen äußeren Ring, die sogenannte Landwehr an, die aus Wall, Dornengestrüpp und Graben bestand. An Stellen wo „Ausfallstraßen“ die Landwehr durchstießen, befanden sich „Warten“.

In Hameln sind heute noch 5 davon bekannt, die erstmalig 1385 urkundlich erwähnt wurden. Ursprünglich bestanden sie nur aus einem Turm, in dessen Obergeschoß die Wachmannschaft wohnte. Zugänglich war dieser Raum durch eine einziehbare Leiter. In späteren Jahrhunderten bestellte man Wartsleute, die die Aufsicht in der Feldmark hatten, die Grenzgräben, Knicke, Landwehren und Marksteine zu überwachen hatten, den Schlagbaum zu bedienen und Zoll- bzw. Wegegebühren von passierenden Gespannen zu kassieren hatten. Einige Warten mussten sich auch verpflichten, Personen mit ansteckenden Krankheiten (Seuchen) aus der Stadt aufzunehmen. Die Wartsleute waren zunächst Pächter, später übernahmen sie die Warte in Erbpacht mit den dazugehörigen „Pertinenzen“. Bei der Berkeler Warte waren dieses: Gastwirtschaft, Wohnhaus, Scheune, Backhaus, 9 Morgen Ackerland, Garten, Kamp und Weide für 4 Kühe und 2 Rinder. Schließlich verkaufte die Stadt die Warten an den Meistbietenden.

Hier an der Berkeler Warte wurden 1850 beim Bau des Schweinestalls die Fundamente des Turmes gefunden. Der damalige Wachturm hatte seine Steine für die Hofmauern hergeben müssen.

1385
1. urkundliche Erwähnung der Berkeler Warte

ab 1650
mit Einführung der männermordenden und mauerbrechenden Schusswaffen verlieren die Warten ihre strategische Bedeutung.

1714
vermehrte Klagen über den schlechten baulichen Zustand der Warten

1774
pachtet Joh. Friedrich Pieper aus Groß Berkel die Warte auf Zeit

1779
übernimmt er die Warte in Erbpacht für 100 Taler und einer jährlichen Pacht von 40 Talern

1798
erbaut er das stattliche Fachwerkgebäude als Herberge und Bauernhaus

1801 – 1813
mehrfache Besetzung der Warte durch französische Truppen

1808
auf Befehl Napoleons Schleifung der Festung Hameln, die Warte verliert endgültig als Vorposten an Bedeutung

1810
erschlägt die Wartsfrau (frisch verheiratet, 16 Jahre alt) einen französischen Soldaten mit dem Misthaken, weil er sie beim Melken belästigte. Die Tat wurde vertuscht.

1822
die Knicke werden abgeholzt, Pflegeaufwand und Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.

1852
Neubau der massiven Sandsteinscheune, der heutigen „Rattenfängerscheune“. Der letzte Schlagbaum der Straßensperre wurde mit seiner welfisch weiß-gelben Bemalung in der Scheune mit eingebaut.

1863
löst Friedrich Pieper, Enkel des Joh. Friedrich, die Warte für 2.000 Taler ab, ist nun Eigentümer und nennt sich „Oeconom“.

1944
tagt zu einer Besprechung das Führerhauptquartier, sorgt jedoch selbst für Essen und Trinken

1963
wird die Landwirtschaft aufgegeben, die Warte ist nur noch Herberge

1981
Die alte Berkeler Warte wird abgerissen, sie muß der Erweiterung der Bundestrasse 1 weichen.

1987
nach 6 Generationen Pieper gibt Grete Pieper die Warte in andere Hände.

2004
nach Pächterwechsel und umfangreicher Renovierung steht die Berkeler Warte als „Rattenfängerhotel“ wieder unseren Gästen als Beherbergungsbetrieb zur Verfügung.
Wir bieten Ihnen 53 schöne und behagliche Hotelzimmer, 3 Tagungsräume und gutbürgerliche Küche in der „Guten Stube“, dem „großen Saal“ und „Gästezimmer“. Die „Rattenfängerscheune“ und der „Swien-Stall“ stehen Ihnen für Familienfeiern zur Verfügung.